01. November 2019
Autor: 

Ute Wolter

Quelle: 
Personalwirtschaft.de

KI im Job – Skepsis versus Vertrauen

Weltweit zieht Künstliche Intelligenz immer mehr in die Büros ein. Auch wenn es bei der Nutzung der Technologie noch hakt, zeigt sich, dass sich das Verhältnis von Mensch und Technik am Arbeitsplatz verändert: Laut einer Studie vertrauen viele Mitarbeiter KI-Anwendungen wie Chatbots mehr als ihren Vorgesetzten.

Aktuell nutzt international bereits jeder zweite Mitarbeiter eine Form von Künstlicher Intelligenz im Job – im vergangenen Jahr war es erst jeder dritte (32 Prozent). Allerdings haben die Menschen noch Probleme bei der Nutzung der Technologie: Zwei Drittel der Mitarbeiter (76 Prozent) und 81 Prozent der Personalverantwortlichen finden es schwierig, mit dem Tempo des technologischen Wandels am Arbeitsplatz Schritt zu halten. Die Mitarbeiter würden KI-Lösungen gerne einfacher anwenden können. So wünscht sich jeder Dritte (34 Prozent) eine bessere Benutzeroberfläche und fast ebenso viele (jeweils 30 Prozent) hätten gern Best Practice-Schulungen (30 Prozent) und erwarten eine auf ihre Belange und ihr Verhalten zugeschnittene User Experience. Das sind Ergebnisse der Studie „AI at Work“ von Oracle und Future Workplace. Dafür wurden im August dieses Jahres 8370 Mitarbeiter, Manager und Personalverantwortliche in zehn Ländern befragt.

Frauen beurteilen KI im Job kritischer als Männer

Auch wenn sich zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) „optimistisch, aufgeregt und dankbar“ über den Support ihrer Roboterkollegen äußern und knapp ein Viertel angibt, ein gutes Verhältnis zu KI im Job zu haben, stehen die Befragten der Technologie doch mehrheitlich zurückhaltend oder kritisch gegenüber. Lediglich ein Drittel der Männer (32 Prozent) und nur ein knappes Viertel der Frauen (23 Prozent) beurteilen KI am Arbeitsplatz positiv.

Digital Natives haben mehr Sicherheitsbedenken als ältere Mitarbeiter

Die Hauptaspekte, die es verhindern, dass Mitarbeiter KI bei ihrer Arbeit nutzen, sind Sicherheitsbedenken, die 31 Prozent äußern, sowie die Sorge um die Preisgabe privater Informationen (30 Prozent). Dabei sind die Jüngeren, die sogenannten Digital Natives, kritischer als ältere Arbeitnehmer: In der Generation Z sorgen sich 43 Prozent um ihre Privatsphäre und die Sicherheit und bei der Generation Y/den Millennials sind es 45 Prozent, während sich aus der Generation X mit 29 Prozent und den noch älteren Baby Boomern mit 23 Prozent deutlich weniger Berufstätige darüber Gedanken machen. Trotz der noch herrschenden Skepsis der Beschäftigten weisen die Studienautoren darauf hin, dass KI am Arbeitsplatz zunehmend akzeptiert werde. In den letzten zwei Jahren habe sich die Einstellung der Mitarbeiter positiv gewandelt.

Zwei Drittel der Mitarbeiter vertrauen Robotern eher als dem Chef

Durch die Anwendungen von KI-Lösungen verändert sich laut Studie die Art und Weise, wie Mitarbeiter mit ihren Vorgesetzten interagieren: Fast zwei Drittel der befragten Mitarbeiter (64 Prozent) sagen, dass sie KI mehr vertrauen als ihrem Vorgesetzten. Jeder Zweite gibt an, sich schon einmal an einen Roboter gewandt zu haben, anstatt den Vorgesetzten zu fragen. Dabei ist das Vertrauen in Roboter bei Männern mit 56 Prozent größer als bei ihren weiblichen Kollegen mit 44 Prozent. Geschlechterübergreifend denken 82 Prozent der Befragten, dass KI oder Roboter einige Dinge besser können als ihre Vorgesetzten. Jeder Dritte (34 Prozent) denkt, KI oder Roboter könnten Arbeitszeiten besser einhalten. 29 Prozent schreiben ihnen mehr Problemlösungskompetenz zu. Jeder Vierte (26 Prozent) ist der Meinung, die Technologie könne Informationen unvoreingenommener und wertfreier wiedergeben und sei besser in Sachen Budgetverwaltung.

Was Manager aus Arbeitnehmersicht besser können als Roboter

Und worin sind Manager Robotern überlegen? 45 Prozent der Studienteilnehmer denken, dass Führungskräfte Gefühle besser verstehen, 33 Prozent halten sie für kompetentere Berater und 29 Prozent finden, dass sie eine bessere Arbeitskultur schaffen können. Durch die neuen Technologien verschiebe sich auch die traditionelle Rolle der HR-Manager und Personalteams, so die Studie.

«Basierend auf den Ergebnissen werden Vorgesetzte auch künftig relevant bleiben, wenn sie sich auf ihre menschlichen Stärken konzentrieren und ihre Soft Skills einsetzen. Technische Skills und Routineaufgaben können sie hingegen ohne Weiteres Robotern überlassen,»

kommentiert Dan Schawbel, Forschungsdirektor bei Future Workplace, die Befragungsergebnisse. Zum vollständigen Report geht es hier.